Täubner-Bernicke

Kerstin Täubner-Benicke, Kreisvorsitzende, Sprecherin Landesarbeitsgemeinschaft Christ*innen bei B90/DIE GRÜNEN, Kandidat für den Wahlbezirk: WK 224 Starnberg-Landsberg-Germering

Sehr geehrte Frau Wolfram, hier übersende ich Ihnen meine Antworten. Mit freundlichen Grüßen
Kerstin Täubner-Benicke

  1. Wie wichtig ist Ihnen das Thema Inklusion?

Es ist mir sehr wichtig. Aus christlicher Perspektive, aus persönlicher Betroffenheit, aus Gerechtigkeitsempfinden heraus treibt mich das Thema schon lange um. Ich habe mich als Mitglied im Ehrenamtlichen-Team der Offenen Hilfen bei uns vor Ort engagiert. Außerdem gehöre ich einem Arbeitskreis Inklusion der bayerischen Grünen an.

 

  1. Mit der UN-Behindertenrechtskonvention ist ein großer Schritt nach vorn getan worden. Was wollen Sie, bzw. Ihre Partei  hierfür tun?

Weder das Bundesteilhabegesetz noch die Novelle des Behindertengleichstellungsgesetzes entsprechen unseren Vorstellungen von menschenrechtsorientierter Behindertenpolitik. Wir werden beide daher nachbessern.

Für uns ist Barrierefreiheit im staatlichen und auch im Privatsektor ein unverzichtbarer Bestandteil einer inklusiven Gesellschaft. Dazu gehören die Verpflichtung privater Anbieter von Gütern und Dienstleistungen zur Barrierefreiheit und die Festlegung konkreter Übergangszeiten. Außerdem soll die Verweigerung „angemessener Vorkehrungen“ als Diskriminierung gelten. Die entsprechenden Änderungen wollen wir im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz und im Behindertengleichstellungsgesetz vornehmen.

Für uns ist es nicht nur ein Gebot der Menschenrechte, dass jeder Mensch wohnen, leben, lernen, arbeiten und die Freizeit verbringen können, wo, wie und mit wem sie wollen. Das Gleiche gilt  für die Entscheidung darüber, von wem sich Menschen  mit Behinderungen dabei unterstützen lassen möchten. Das gilt gerade auch für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf.  Daher darf das Wunsch- und Wahlrecht von Menschen mit Behinderungen in Bezug auf die Art der Leistungserbringung und den Wohnort nicht eingeschränkt werden. Assistenzleistungen dürfen daher aus unserer Sicht nur dann gepoolt werden, wenn alle Beteiligten es wollen. Zudem sollen auch Menschen, für die das Asylbewerberleistungsgesetz gilt, Zugang zu Teilhabeleistungen bekommen.   Die entsprechenden Änderungen im BTHG werden wir vornehmen.

Die bayerischen Grünen haben einen Leitfaden Inklusion erarbeitet, in dem unter anderem Tipps für die Organisation von Veranstaltungen gegeben werden. Unser Wahlprogramm gibt es als Audiodatei, in Gebärdensprache, in leichter Sprache. Meine Homepage hat auch eine Seite in leichter Sprache.

 

  1. Es gibt 1 Milliarde Menschen mit Behinderungen, ca. 15 % der Weltbevölkerung, und in Deutschland leben ca. 10,2 Millionen Menschen mit einer Behinderung, diese Gruppe kann man eigentlich nicht als Minderheit bezeichnen.  Warum werden die Probleme dieser Menschen aus Ihrer Sicht als Randthema behandelt?

Das ist mir eigentlich unerklärlich. Leider schenken wir alle wohl zu wenig Gehör den Schwächeren, den Langsameren, den Sprachlosen in unserer Leistungsgesellschaft. Dabei hätten sie so viel beizutragen. Heute sind schon Schulkinder gestresst, Erwachsene hecheln nur noch durch den Alltag. Mütter und Väter haben permanent ein schlechtes Gewissen, weil sie gerne mehr Zeit hätten. Wir müssten die Langsamkeit, die Muße, das Miteinander ohne Konkurrenz wieder viel mehr schätzen lernen.

 

  1. Welche Gruppen von Menschen in unserem Land gehören noch dazu, wenn wir uns mit dem Thema der Inklusion beschäftigen?

In einer inklusiven Gesellschaft gehören alle Menschen dazu, alle sind in die Gemeinschaft einbezogen und niemand soll an den Rand gedrängt werden. Schon die Kategorisierung von Menschen in Gruppen wie Menschen mit Behinderung, Ausländer, Geflüchtete, Roma, Arme, Alte, Alleinerziehende, Wohnsitzlose, Schwule und Lesben … trägt in sich die Gefahr einer Diskriminierung und muss überwunden werden. Aber natürlich gilt unser Augenmerk diesen Gruppen, da sie eines besonderen Schutz oder Förderung bedürfen.

 

  1. Warum werden wahlberechtigte Menschen von der Wahl ausgeschlossen. (https://www.tagesschau.de/inland/btw17/wahl-behinderung-101.html) Warum ändert sich hier nichts?

Wir haben schon 2013 und erneut in diesem Jahr einen konkreten Gesetzentwurf zur Abschaffung des Wahlrechtsausschlusses vorgelegt. Wir werden uns auch weiterhin dafür einsetzen, dass niemand wegen seiner Behinderung von Wahlen ausgeschlossen wird.

 

  1. Wie sieht die derzeitige aktuelle Situation bezüglich der schulischen Inklusion aus und wofür setzt sich Ihre Partei ein, bzw. wofür stehen sie?

Bundestag und Bundesrat haben das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ratifiziert. Alle Fraktionen und alle Bundesländer haben zugestimmt. Damit hat sich Deutschland verpflichtet, ein inklusives Bildungssystem zu gewährleisten. Wenn nun eine Debatte beginnt, ob nicht auch das flächendeckende Angebot von Förderschulen die UN-Konvention umsetzt, dann heißt das aber auch: Für eine umfassende Parallelstruktur von inklusiven Bildungseinrichtungen und separaten Förderschulen wäre gar nicht genug qualifiziertes Personal zu finden.

Der Wahlkampf in NRW auch mit den Vorwürfen gegenüber der grünen Schulministerin Sylvia Löhrmann zeigt, dass wir in Deutschland viel stärker über den Weg zu einer inklusiven Gesellschaft diskutieren müssen– mit allen Beteiligten. Fragen, Sorgen und manche Kritik, die sich für einige Eltern durch inklusiven Unterricht ergeben, können wir so noch besser berücksichtigen. Den Weg zur Inklusion können wir nämlich nur gemeinsam gehen, denn Inklusion betrifft uns alle. Schulen und Lehrkräfte brauchen bessere Unterstützungssysteme, damit sie sich von der Aufgabe nicht überfordert fühlen.

In allen Ländern sind eine umfassende Debatte und nachhaltige Entscheidungen nötig, wie die Bildungsangebote dort die Rechte von Kindern und Jugendlichen wahren. Eben auch der Kinder mit Behinderungen, die sich frei von Diskriminierung entwickeln und gleiche Chancen haben sollen.

 

  1. Was kostet die Inklusion?

Vor allem einen langen Atem und sehr viel Engagement. Eine genaue Quantifizierung ist mir nicht möglich.

 

  1. Welchen Nutzen bringt die Inklusion?

Das Thema Inklusion geht alle an, auch Menschen ohne Einschränkungen oder besonderen Förderbedarf an, weil alle mitwirken sollen, und alle profitieren. Nicht nur von den abgesenkten Bordsteinen, denn unser Zusammenleben wird gerechter, solidarischer, menschlicher.

 

  1. Was spricht gegen Inklusion?

Von meiner Warte aus nichts, außer die Bretter vor den Köpfen.

 

  1. Welches inklusive Projekt liegt Ihnen besonders am Herzen oder wofür setzen Sie sich besonders ein?

Die Weiterführung und Umsetzung des Aktionsplans im Landkreis Starnberg.

 

Partei: B90/DIE GRÜNEN

Ihr Name: Kerstin Täubner-Benicke

Ihre Funktion: Kreisvorsitzende, Sprecherin Landesarbeitsgemeinschaft Christ*innen bei B90/DIE GRÜNEN

Kandidat für den Wahlbezirk: WK 224 Starnberg-Landsberg-Germering

Abgeordneter: –

Sonstiges: http://www.kerstin-taeubner.de

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