Martina Neubauer

Martina Neubauer, Stadt- und Kreisrätin Starnberg, Beisitzerin im Kreisverband Starnberg, Sprecherin der Region 14, Bündnis 90/DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Frau Wolfram,

wie angekündigt, beantworte ich Ihnen und Ihren Leserinnen und Lesern sehr gerne Ihre Fragen. Ich kandidiere nicht für den Deutschen Bundestag und habe auch keine Funktion als Pressesprecherin. Das Thema Inklusion beschäftigt mich spätestens seit der UN-BRK.
Von der Ausbildung bin ich Sozialpädagogin. Seit einem Jahr darf ich mich auch beruflich mit dem Thema beschäftigen.
Aktuell bin ich Mitglied des Starnberger Stadtrats und des Kreistags sowie als Beisitzerin in unserem Kreisverband und als Sprecherin der Region 14 für die Partei Bündnis 90/DIE GRÜNEN aktiv.

Herzliche Grüße

Martina Neubauer

1. Wie wichtig ist Ihnen das Thema Inklusion?

Mit der Ratifizierung der UN-BRK ist ein erster Schritt erfolgt. Spätestens seit diesem Bekenntnis sind die Bundesregierung ebenso wie die Länder und die Kommunalparlamente dazu aufgerufen, alles zu tun, um das Ziel zu erreichen. Auf Ebene des Landkreises Starnberg haben wir soeben auf Antrag der GRÜNEN einen Aktionsplan partizipativ erarbeitet und verabschiedet. Nun gilt es, die definierten Maßnahmen umzusetzen. Von der leichten Sprache bis zur Barrierefreiheit im öffentlichen Raum, von Mobilitätshilfen bis zur wirklichen Inklusion in Kindertagesstätten und Schulen, in der Ausbildung und insbesondere auf dem 1. Arbeitsmarkt.

Dies sind nur einige Gedanken. Mir selbst liegt sehr viel an diesem Thema. Auch berufliche gehört dies zu einem meiner Kernthemen. Ich leite ein Referat für Chancengleichheit und gesellschaftliche Potentiale im Landratsamt München.

2.  Mit der UN-Behindertenrechtskonvention ist ein großer Schritt nach vorn getan worden. Was wollen Sie, bzw. Ihre Partei  hierfür tun?

Mit dem oben erwähnten Aktionsplan auf Kreisebene und vielen Initiativen auf kommunaler Ebene (z. B. Einstellung von mehr Personal in den Kindertagesstätten, Beteiligung an der Initiative “barrierefreie Kommune”) geschehen ganz konkret spürbare Dinge. Wichtig ist aus meiner Sicht, die Barrieren in den Köpfen abzubauen. Dazu sind eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit sowie das Hinterfragen des eigenen Handelns – ein Perspektivwechsel – erforderlich.
Auf Landesebene und Bezirksebene verfolgen wir insbesondere die Themen Inklusion im Bildungs- und Arbeitsleben; auf Bundesebene ist das BundesteilhabeGesetz ein erster, aber nicht für alle Gruppen befriedigender, Schritt. Hier müssen wir weiter voranschreiten.

3. Es gibt 1 Milliarde Menschen mit Behinderungen, ca. 15 % der Weltbevölkerung, und in Deutschland leben ca. 10,2 Millionen Menschen mit einer Behinderung, diese Gruppe kann man eigentlich nicht als Minderheit bezeichnen.  Warum werden die Probleme dieser Menschen aus Ihrer Sicht als Randthema behandelt?

Die “Probleme” sind gerade nicht so eindeutig zu identifizieren, sondern so individuell, wie wir Menschen eben sind. Wenn wir Barrieren im öffentlichen Raum für Menschen mit einer Gehbehinderung oder Rollstuhlfahrer*innen abbauen, kann dies für Menschen, die eine Sehbehinderung haben oder blind sind, eine Gefährt sein. Das ist nur eines von vielen Beispielen.
Genau da setzte das Umdenken an; nicht von den Problemen, sondern von den Stärken des Einzelnen ausgehen. Die Menschen sind nicht behindert, sondern werden durch bestimmte Umstände (Barrieren) behindert.

4. Welche Gruppen von Menschen in unserem Land gehören noch dazu, wenn wir uns mit dem Thema der Inklusion beschäftigen?

Ich würde den Begriff gerne ganzheitlich sehen – und dann sind wir alle gemeint.

5. Warum werden wahlberechtigte Menschen von der Wahl ausgeschlossen. (https://www.tagesschau.de/inland/btw17/wahl-behinderung-101.html <https://www.tagesschau.de/inland/btw17/wahl-behinderung-101.html>)
Warum ändert sich hier nichts?

Aus meiner Sicht ist hier Handlungsbedarf. Selbstverständlich haben auch Menschen mit kognitiven Schwierigkeiten eine Meinung und einen Anspruch darauf, sich im Sinne ihrer Interessen zu äußern. Bündnis 90/Die GRÜNEN gehört zu den ersten Parteien, die ihre Wahlprogramme auch in leichter Sprache veröffentlicht und ihre Webseiten barrierefrei gestaltet.

6. Wie sieht die derzeitige aktuelle Situation bezüglich der schulischen Inklusion aus und wofür setzt sich Ihre Partei ein, bzw. wofür stehen Sie?

Wir stehen für Wahlfreiheit. Jede und jeder soll die Schule besuchen, die seine Talente am besten fördert.

7. Was kostet die Inklusion?

Es ist keine Frage der Kosten, sondere eine Frage der Haltung: “In welcher Gesellschaft wollen wir leben?”.  Chancengerechtigkeit und Toleranz, eine offene, demokratische und friedliche Gesellschaft mit, Teilhabemöglichkeiten für alle!

8. Welchen Nutzen bringt die Inklusion?

Wir lernen von- und miteinander,
jede und jeder kann seine Talente dort einbringen, wo sie gebraucht werden
Stärkung des Selbstwertes und des Selbstbewusstseins
Offene, tolerante Gesellschaft

9. Was spricht gegen Inklusion?

NICHTS

10. Welches inklusive Projekt liegt Ihnen besonders am Herzen oder wofür setzen Sie sich besonders ein?

Inklusion auf dem 1. Arbeitsmarkt

Partei: Bündnis 90/DIE GRÜNEN
Ihr Name: Martina Neubauer
Ihre Funktion: Stadt- und Kreisrätin Starnberg, Beisitzerin im Kreisverband Starnberg, Sprecherin der Region 14

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