Inklusion und unsere Wohnwelt

Passt unsere schöne Wohnwelt zum Inklusionsgedanken?

Der heutige Blogt befasst sich mit einem Thema, das für viele von uns selbstverständlich ist. So selbstverständlich, dass wir kaum darüber nachdenken, obwohl es zu unserem täglichen Leben gehört und im rasanten multimedialen Zeitalter einen immer höheren Stellenwert erhält: Wohnen.

Was verbinden wir damit? Bedeutet Wohnen tatsächlich nur, einen Bleibe zu haben, ein Dach über dem Kopf? Oder verbinden wir mit dem Wohnen nicht vielmehr unsere grundlegenden Bedürfnisse, unser Dasein, unseren sozialen Status, Lebensqualität, Freiheit, Rückzugsgebiet … Heimat? Und gelten diese Bedürfnisse nur für die Allgemeinheit oder tatsächlich für alle Menschen in unserer Gesellschaft?

Was bedeutet in unserer Gesellschaft „Wohnen“?

In unserem Kulturkreis haben wir im Jahre 2016 bereits vielfältige Möglichkeiten, wenn es um das Wohnen geht. Wir können Wohnraum mieten oder kaufen und sind maßgeblich an der Gestaltung und Entwicklung unserer Wohnwelt beteiligt.

Neben dem nicht zu unterschätzenden finanziellen Aspekt entscheiden sich viele Menschen für das Mieten, da es Flexibilität und Unabhängigkeit gewährleistet. Andere wiederum wollen lieber in den eigenen berühmten vier Wänden wohnen und nehmen dafür langfristige Finanzierungen in Kauf.

Doch Wohnen ist weitaus mehr als eine abrechenbare Größe, mehr als nur Geld, Statussymbol und Lifestyle. Das Wohnen befriedigt unsere elementaren Bedürfnisse nach Sicherheit, Schutz, Geborgenheit und sozialer Gemeinschaft.

Wie wir unseren Wohnraum organisieren, sagt sehr viel über uns und unsere Gesellschaft aus. In unserer modernen, von der Technik bestimmten Welt verlangen wir nach funktionierender Infrastruktur, öffentlichem Nahverkehr, einem ausgebauten Straßennetz, Telekommunikation, Zentralheizung und Kanalisation sowie einem umfassenden Angebot an Bildung, Freizeitgestaltung, Einkaufsmöglichkeiten und Kultur.

Und so bestimmen letztendlich wir alle über Aussehen und Beschaffenheit der Städte und Gemeinden. Dabei fokussieren wir uns im Allgemeinen auf unsere persönlichen Bedürfnisse und sind froh, wenn diese in der Städteplanung Berücksichtigung finden.

Aus dieser Summe eigener Vorstellungen entsteht insofern eine gewisse Norm, welche die Allgemeinheit betrifft und deshalb als kollektiver Anspruch an die Verantwortlichen in den Rathäusern und Parlamenten weitergegeben wird. So weit, so gut.

Doch was ist mit jenen, die leider immer noch zu sehr am Rande der Gesellschaft leben? Menschen, die schon allein aufgrund ihrer geringen Anzahl und individuellen Bedürfnisse eben nicht der Allgemeinheit entsprechen?

In unserem von der Normalität geprägten Verständnis bedeutet Wohnen, dass jemand in einer Wohnung oder einem Haus wohnt. An andere Wohnformen denken wir naturgemäß nicht.

Wir stellen uns selbstverständlich nicht tagtäglich die Frage: Wie wohnen Obdachlose, Flüchtlinge, Straßenkinder oder eben Menschen mit Behinderungen? Dabei ist insbesondere die Schaffung eines geeigneten Wohnraums für Menschen mit Behinderungen von zentraler Bedeutung.

Vor allem dann, wenn man jenen Menschen dieselben Rechte und Bedürfnisse in Bezug auf Sicherheit, Schutz, Geborgenheit, Freiheit und soziale Gemeinschaft zugestehen möchte.

Voraussetzungen und Hintergründe des Wohnens

Das Wohnen stellte schon immer unseren persönlichen Lebensmittelpunkt dar. Grundsätzlich kann man auch heute noch sagen, dass in unserer Wohnwelt Kinder geboren, Menschen in ihren Familien heranwachsen, ihre Persönlichkeit entwickeln, sozialisiert werden, von der Zukunft träumen, Freude und Schmerz erleben, Gesundheit, Krankheit und auch den Tod erfahren, in Liebe oder Scheidung leben – allein oder gemeinsam.

Und doch hat historisch gesehen jede Zeit bezogen auf den gesellschaftlichen Wandel unterschiedliche Ausprägungen, was das Wohnen und die damit verbundenen Ansprüche und Bedürfnisse anbelangt.

Das Wohnen ist im Jahre 2016 mehr als nur eine Unterkunft, ein Dach über dem Kopf, ein Bett zum Schlafen. Es ist auch ein Ort unserer Privatheit, unserer Individualität, unseres Lifestyles und spiegelt unsere individuellen Bedürfnisse nach Intimität, Schönheit, Gemeinschaft, Kultur, Bildung und gesellschaftlicher Stellung wider.

Doch um diese Bedürfnisse zu befriedigen, benötigen wir soziale und strukturelle aber auch gesellschaftliche und sogar rechtliche Voraussetzungen. Wie und wo wir leben, entscheidet heute in erster Linie unsere finanzielle Situation, darüber hinaus aber auch unser familiärer, beruflicher, körperlicher, kultureller und gesellschaftlicher Hintergrund.

Wohnen im gesellschaftlichen und industriellen Wandel

Mit der Urbanisierung und der Industrialisierung hat sich historisch gesehen das Leben der Menschen verändert. Gerade in den letzten Jahrzehnten befasste sich die Wissenschaft mit diesem Thema, so unter anderem der Soziologe Talcott Parson, der in seinen soziologischen Artikeln die institutionelle Entwicklung der Familie beschreibt.

Betrachtet man beispielhaft die 1960/1970er Jahre in Deutschland, dann finden wir hier die Entstehung des Massenwohnungsbaus mit den heute typischen funktionalen Wohneigenschaften: Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Bad und Kinderzimmer. Basis dafür war die zu jener Zeit idealtypische Familienform: Mutter, Vater und zwei Kinder.

Das Großfamilienprinzip des 19. Jahrhunderts mit mehreren Generationen unter einem Dach war insbesondere in den Städten kaum noch vorhanden. Die sogenannte Kernfamilie lebte auf kleinem Raum – ohne Großeltern und andere Verwandte.

Das Wohnen fand also vor fünfzig Jahren separat und getrennt von der Erwerbstätigkeit, der Freizeit und Erholung statt und sollte vor allem Privatheit bieten. Im ländlichen Bereich blieb es hingegen noch längere Zeit Realität, dass die Großfamilie unter einem Dach wohnte und gemeinsam arbeitete.

Doch sowohl das Leben in der Stadt als auch auf dem Land hat sich spätestens seit Beginn des 21. Jahrhunderts verändert. Die ländlichen Randgebiete der Großstädte dienen mittlerweile als zusätzlicher Wohnraum. Dort wurden in den letzten Jahren ganze Siedlungen neu gebaut und die Infrastruktur angepasst.

Durch moderne Technologien ist es zudem heute möglich, von überall zu arbeiten, weshalb die ländlichen Regionen nicht mehr ausschließlich von Vertretern der Land- und Forstwirtschaft bewohnt werden, sondern zunehmend von geistig oder künstlerisch Tätigen besiedelt werden.

Und auch die Familienformen haben sich verändert. Die klassische Familie (Mutter, Vater, Kind/er) ist zwar nach wie vor dominierend, der Trend geht jedoch immer mehr zu Wohn- oder Bedarfsgemeinschaften, Lebenspartnerschaften, Patchworkfamilien etc. (https://de.wikipedia.org/wiki/Familienformen).

Es ist also nur eine Frage der Zeit, wie sich das Wohnen in Zukunft gestaltet. Klar ist hingegen, dass die Beschaffenheit unserer Wohnwelt unmittelbar vom gesellschaftlichen und industriellen Wandel abhängt.

Ende des sozialen Wohnraumgedankens 

Ein weiterer Aspekt spielt in Bezug auf unsere Wohnwelt und deren Veränderung eine wesentliche Rolle. Das Wohnen ist inzwischen zu einer hybriden Angelegenheit geworden. Denn nicht nur der Stellenwert des Wohnens verändert hin zu mehr Qualität und Quantität.

Die Menschen wollen stetige Erreichbarkeit, kurze Arbeitswege, mehr Freizeit sowie ein soziales Umfeld mit einem vielfältigen Angebot an Bildung, Gastronomie, kulturellen Einrichtungen, Einkaufsmöglichkeiten, ärztlicher Versorgung und eine moderne Infrastruktur mit Flughäfen und Bahnhöfen in der Nähe und WLAN allerorts.

Unsere Ansprüche an das Wohnen – verbunden mit einer punktuellen Wohnungsknappheit beziehungsweise einer erhöhten Nachfrage in den Ballungszentren (z.B. Berlin oder München) – hat das heutige Wohnen und vor allem die Wohnungspolitik verändert.

Während noch vor dreißig Jahren die Städte und Gemeinden im Rahmen ihrer Daseinsvorsorge den sozialen Wohnungsbau vorangetrieben haben und ein Großteil der Mietwohnungen in staatlichen/kommunalen Eigentumsverhältnissen lag, sieht der Wohnungsmarkt heute komplett anders aus.

Viele Länder und Gemeinden haben Land und Mietobjekte an private Investoren verkauft und damit den Weg bereitet, dass der Wohnraum im 21. Jahrhundert zur Ware avancierte.

Die Verteilung von Wohnraum unterliegt ganz bestimmten Kriterien. Heute geht es nicht mehr um Bedarfsdeckung, sondern um wirtschaftlichen Gewinn. Wohnraum ist teuer, knapp und begehrt. Wer Wohnraum in attraktiven Lagen zur Verfügung stellen kann, erzielt damit lukrative Gewinne.

Wohnen im 21. Jahrhundert: Kapitalanlage und Ware im Investitionsmarkt

Besonders in den Innenstädten aber auch in den Randgebieten der Großstädte ist Wohnraum mittlerweile für Durchschnittsverdiener kaum mehr bezahlbar. Geringverdiener, Empfänger staatlicher Transferleistungen sowie ältere Menschen und Migranten leben ausschließlich in Randlagen beziehungsweise weniger attraktiven Wohngebieten.

Soziale Brennpunkte sind die Konsequenz. Vergleicht man beispielsweise die Bevölkerungsstruktur in Berlin-Kreuzberg von heute mit der von 1990, wird schnell klar, wie rasant und einseitig die Veränderungen voranschreiten. Unsere Wohnwelt entwickelt sich weg vom sozialen Wohnraumgedanken und hin – wenn nicht sogar zurück – zum kapitalistischen Wohnungsmarkt.

Wohnen ist heute also nicht mehr nur die Befriedigung eines Grundbedürfnisses, sondern eine Ware im heiß umkämpften Investitionsmarkt und damit eine Kapitelanlage. Gebaut und saniert wird nur das, was Profit einbringt. Investiert wird nur dort, wo es sich finanziell lohnt.

Vor diesem Hintergrund kann man also sagen, dass die Städtebauplanung nicht mehr auf die Bedarfe der Menschen und ihre Lebenswirklichkeiten abzielt, sondern lediglich auf die Bedürfnisse des Finanzmarktes reagiert. Riesige prunkvolle Bürohochhäuser entstehen und verändern das Stadtbild.

Die Liberalisierung des Wohnungsmarktes hat zu einem Wildwuchs von Investoren geführt. Dabei hat man den Einfluss auf die städtebauliche Entwicklung verloren und kann nur wenig planerisch auf die tatsächlichen Bedarfe eingehen.

Hier ist dringend politisches Handeln gefordert, wenn man eine Gesellschaft der Vielfalt wünscht und einer Ghettoisierung mit sozialen Brennpunkten entgegenwirken möchte.

Wohnen ist heute Lifestyle und Luxus

Zum anderen ist es nicht nur so, dass viele Menschen einen Großteil ihres Einkommens für das Wohnen ausgeben müssen, sondern auch bereit dazu sind. Wie beispielsweise die Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen, geht der Trend des Wohnens hin zu Lifestyle und Luxus.

Denn es lassen sich hier kaum Statistiken zum sozialen Wohnungsbau oder Zahlen über barrierefreie Wohnungen finden. Außerdem gibt es keine nennenswerten statischen Erhebungen über die tatsächlichen Bedarfe in der Bevölkerung oder öffentlich auswertbare Daten zu neuen Wohnformen. Im Gegenteil: der Schwerpunkt der Statistiken bezieht sich in der Regel auf Wohnungseigentum.

So kann man auf www.destatis.de unter anderem nachlesen: Für mehr als jeden vierten Haushalt in Deutschland hat sich der Traum vom Eigenheim erfüllt: 28 % der rund 40 Millionen Privathaushalte lebten am Jahresanfang 2013 im eigenen Einfamilienhaus. Zusammen mit den Wohneigentümern von Eigentumswohnungen und Mehrfamilienhäusern lebten insgesamt 43 % aller Haushalte in den eigenen vier Wänden. Das geht aus den Ergebnissen der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2013 zu den Wohnverhältnissen der Haushalte in Deutschland hervor.“

Wohl dem, der das Geld dafür hat und ausgeben kann. Laut einer Statistik leben etwa 4,49 Millionen Menschen in einer Eigentumswohnung, 28,98 Millionen in einem eigenen Haus und ca. 53,87 Millionen Menschen zur Miete (https://de.statista.com/themen/51/wohnen).

Was brauchen Menschen zum Wohnen?

Angesicht der derzeitigen Statistiken geht es der durchschnittlichen Bevölkerung sehr gut. Eine große Anzahl an Menschen kann sich sogar einen eigenen Wohnraum leisten. Wir erleben anscheinend  eine wunderbare Welt der Selbstentfaltung und Gestaltung.

Doch schauen wir einmal genauer hin, dann ist die Welt nicht mehr rosarot, sondern besteht aus einer Mischung an Belastungen, Risiken, Chancen und Ambivalenzen. Unsere Alltagswelt verändert sich zunehmend, wird komplexer und ist von Unsicherheiten geprägt.

Denn was für die einen Lifestyle ist, bedeutet für einen nicht geringen Teil der Bevölkerung wahrer Luxus. So heißt es nämlich ebenfalls auf www.destatis.de: „17 % der in Deutschland lebenden Personen fühlten sich 2014 nach eigener Einschätzung durch ihre monatlichen Wohnkosten wirtschaftlich stark belastet. Unter der von Armut betroffenen Bevölkerung traf das auf knapp 29 % zu. Gegenüber 2008 hat sich die Belastung nach Einschätzung der befragten Haushalte damit etwas verringert (2008 insgesamt: 24 %; armutsgefährdet: 36 %)“.

Zum einen wird das Wohnen also durch finanzielle Aspekte, zum anderen durch Trends und den gesellschaftlichen Wandel geprägt. Handlungsspielräume und Gestaltungsmöglichkeiten sind abhängig von Banken und Mainstream. Doch was brauchen wir Menschen wirklich zum Wohnen?

Unabhängig von Herkunft, Einkommen, Religion, Familienstand, Alter, Status und körperlicher Verfassung sollte es möglich sein, dass jeder Mensch in Deutschland das Gefühl hat, selbst „Baumeister“ seiner sozialen Lebenswelten zu sein. Die Menschen brauchen das Gefühl, eigene Handlungskompetenz zu besitzen, um dadurch mehr Sicherheit zu erlangen.

Ferner brauchen wir heute mehr Wohn- und Gestaltungsfreiraum, um neue Lebensformen zu erproben und den Lebenssinn neu entdecken zu können. Eine Gesellschaft, die sich aber fast ausschließlich auf die Regularien eines Wirtschaftsmarktes verlässt, trägt nicht nur zur sozialen Spaltung, sondern auch zu einem Verteilungsproblem bei.

Wohnen ohne Benachteiligung: gesetzliche Grundlagen

Laut einer Studie der Allianz (Prognos) wird der Wohnraum zukünftig noch knapper werden. Wo Knappheit herrscht, müssen Menschen mit der Herausforderung umgehen und neu Wege suchen. Deshalb kann die Lösung nicht darin bestehen, das Wohnen zu verstaatlichen oder aber Schicksalsgemeinschaften zu institutionalisieren, sodass Bedürftigkeit dem anderen gegenüber verrechnet werden kann.

Es müssen Möglichkeiten für neue Lebensformen geschaffen werden, die sich tatsächlich und lebensnah an den Bedarfen der Menschen orientieren.

Die vielen stationären Einrichtungen in der Behindertenhilfe mit ihren ca. 187.633 Betten zeigen auf, dass durchaus etwas für Menschen mit Behinderungen getan wird. Allerdings gehen diese Bemühungen nicht selten an den Bedarfen dieser Menschen vorbei.

Allein die Tatsache, dass hier immer noch in „Betten“ und nicht nach Wohnraum abgerechnet wird, zeigt das Ausmaß der falschen Herangehensweise. Ein Schritt in die richtige Richtung war hingegen die Reform des Mietrechts im Jahre 2001, nach der Vorschriften zugunsten behinderter Menschen eingeführt werden sollten.

Die Bauordnung der Länder besagt hiernach, dass bei einem Neubau auch barrierefreier Wohnraum geschaffen werden sollte. Der Bund leistet gemäß Artikel 143c Grundgesetz bis zum Jahre 2019 Kompensationszahlungen für investive Maßnahmen an die Länder.

Ferner fordert die Bundesregierung von den Wohnungsbaugesellschaften, Wohnraum für Menschen mit einer sogenannten geistigen Behinderung zur Verfügung zu stellen. In den Regelungen des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG), die am 1. Mai 2002 in Kraft getreten sind, besteht zudem ein Benachteiligungsverbot über das Sozialrecht hinaus und damit eine gesetzliche Grundlage für die Gleichberechtigung behinderter Menschen in vielen Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens.

Hierzu enthält das Gesetz unter anderem allgemeine Bestimmungen zum Benachteiligungsverbot für Träger öffentlicher Gewalt, eine Definition von Behinderung und Barrierefreiheit, Zielvereinbarungen zur Herstellung von Barrierefreiheit sowie die Verpflichtung des Bundes zum barrierefreien Bauen.

Das neue Handlungsfeld “Bauen und Wohnen” als Bestandteil des “Nationalen Aktionsplanes der Bundesregierung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention” bezieht sich auf die Artikel 9, 19, 23 und 28 der am 26. März 2009 in Deutschland in Kraft getretenen UN-Behindertenrechtskonvention.

Darüber hinaus gibt es seit 2008 einen Rechtsanspruch im Bereich der Selbstbestimmung und Teilhabe. In diesem Zusammenhang soll im Nahraum ein Hilfenetz und Dienstleistungen für Menschen mit Behinderung angeboten werden. Denn die Zukunft des Wohnens vor allem für Menschen mit Behinderungen darf nicht eine Begrenzung auf Kosten und Bettenanzahl bedeuten sein, sondern die selbstbestimmte Teilhabe, wobei selbstverständlich das persönliche Budget (Einkommen) das zentrale Instrument sein soll.

Die Zukunft des Wohnens

Lebensmodelle der Menschen wandeln sich und mit ihnen auch die Vorstellung von Wohnen. Die klassische Wohnform der Kleinfamilie ist heute nicht mehr für jeden Menschen ein Ideal, sondern lediglich eine Lebensform unter vielen. Die heutigen Vorstellungen und Ansprüche in Bezug auf das Wohnen entwickeln sich aus der Vielfalt der Bevölkerung:

Senioren, Studenten, Singles, Migranten, Alleinerziehenden, Lebens-, Bedarfs- und Wohngemeinschaften, Patchworkfamilien und natürlich auch Menschen mit Behinderungen.

Das Problem sind dabei niemals die Menschen mit ihren individuellen Lebensmodellen und Bedürfnissen. Die Herausforderungen der Zukunft des Wohnens betreffen in erster Linie den Wohnungsmarkt und die Wohnungspolitik, welche die Aufgabe haben, die veränderten Bedingungen zu erkennen und ihr Angebot, Engagement und Wirken entsprechend anzupassen.

Rückblickend betrachtet, hat sich hier insbesondere in den letzten Jahren bereits einiges getan. Die moderne Architektur kann sich längst auf die Bedarfe der Menschen einstellen und so bauen, dass Wohnungen flexibel gestaltet werden können. Angesichts des demografischen Wandels werden bei der Städteplanung zunehmend Wohngemeinschaften für alte Menschen berücksichtigt.

Gemeinwesenorientierung und Mehrgenerationenhäuser sind keine Utopie mehr. Senioren aber auch Studenten leben mit Familien und deren behinderten Kindern zusammen und unterstützen sich gegenseitig im Alltag. Natürlich gehören solche Wohnmodelle noch der Seltenheit an, jedoch könnte aus dieser Idee bald ein neuer Trend entstehen, für dessen Erfolg und Erweiterung sogenannte Teilhabezentren stehen könnten, die mit geschultem Beratungspersonal bei der Organisation behilflich sind.

Doch bei der Ausgestaltung und Unterstützung neuer Lebens- und Wohnmodelle tun sich einige Kommunen immer noch schwer. Viele Vorschriften engen die kreativen Ideen von Zukunftsplanern ein. Oft geht es pragmatisch und pauschal um Bauvorschriften sowie Mindeststandards, statt um die persönlichen Lebensentwürfe der Menschen und deren individuelle Umsetzung.

Auch kooperiert die private Wohnungswirtschaft noch viel zu wenig mit den Kommunen und bietet kaum innovative Konzepte an. Eine Möglichkeit hin zu mehr Mobilität in den Gedanken und Kreativität in den Köpfen wäre hier vielleicht, dass Ländern und Kommunen einen Architekturpreis ins Leben rufen, beispielsweise unter dem Motto: „Inklusive Gestaltung der Zukunft – Vielfalt beim Wohnen, Leben und Arbeiten“.

Die Devise für die Zukunft sollte deshalb heißen: gemeinsam statt einsam. In diesem Zusammenhang gilt das Mitmachen für alle und die Beteiligung deshalb nicht ausschließlich für die Politik. Die synergetische Vernetzung von Politik, Wirtschaft, Bildung, Kunst, Kultur, Handwerk und Gesellschaft mit den Betroffenen und letztlich allen Bürgern sollte nicht nur, aber doch insbesondere beim Thema Wohnen das konkrete Ziel sein.

Denn wir alle tragen gemeinsam die Verantwortung für die Entwicklung unserer Wohnwelt und des inklusionsorientierten Wohnens im Besonderen. Deshalb kann und muss die Abschaffung von Parallelwelten durch Gemeinwesenorientierung sowie das Eingehen von Kooperationen statt gegenseitiges Aufrechnen der richtige Weg sein.

Die Zukunft des Wohnens sollte deshalb für uns alle bedeuten, dass Menschen mit oder ohne Behinderung wohnen können, wo und wie sie möchten.

Ich freue mich über Kommentare, Anregungen und Diskussionen.

Inklusives Denken beginnt in den Köpfen und leitet ihr fühlen und handeln.

In diesem Sinne wünsche ich ihnen eine gute Zeit.

Esther Wolfram

Für die Zusendung von Forschungsergebnissen, Daten, Fakten und Details bin ich dankbar und veröffentliche diese gern im Blog. Gerne berichte ich über ihr Projekt. Nehmen sie Kontakt mit mir auf.

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