WOHN:SINN – inklusive Wohngemeinschaften

Inklusive Wohngemeinschaften gründen und unterstützen

Ich freue mich heute sehr den Gastbeitrag von Tobias Polsfuß zu veröffentlichen. Eine tolle Arbeit, die es lohnt zu unterstützen. Sie finden den Artikel auch in der Zeitschrift KinderSpezial mit vielen anderen spannenden Artikeln. (http://www.kindernetzwerk.de/de/die-zeitschrift-kinder-spezial-im-shop.html)

Die Onlineplattform WOHN:SINN (www.wohnsinn.org und www.wohn-sinn.org in leichter Sprache) zeigt, wie das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung zur Selbstverständlichkeit wird. Im Gastartikel beschreibt Gründer Tobias Polsfuß, warum er die Internetseite geschaffen hat, was es auf ihr zu entdecken gibt und welche Unterstützungsangebote er bietet, um Menschen die Gründung einer inklusiven WG zu erleichtern.

Warum es eine Onlineplattform für inklusive Wohngemeinschaften braucht

Vor über vier Jahre begann mein Erwachsenleben wie das vieler Menschen in Deutschland: Mit dem Auszug aus dem Elternhaus und dem Einzug in eine WG. Besonders war daran, dass es sich um eine WG von Gemeinsam Leben Lernen e.V. handelte.

Bereits seit 1989 organisiert der Münchner Verein Wohngemeinschaften, in denen fünf Menschen mit einer sogenannten geistigen Behinderung und Menschen und vier Menschen ohne Behinderung zusammenleben.

Als nicht-behinderter Mitbewohner lebe ich dort mietfrei und unterstütze im Gegenzug einen Tag in der Woche und ein Wochenende im Monat meine behinderten Mitbewohner*innen in ihrem Alltag.

Von gemütlichen Abenden vor dem Fernseher bis hin zu hitzigen Diskussionen über den Abwasch: Das inklusive WG-Leben ist zwar besonders und dennoch erlebe ich tagtäglich den „ganz normalen Wahnsinn“ des Zusammenlebens.

Gleichzeitig ermöglicht unsere inklusive Wohngemeinschaft meinen Mitbewohner*innen mit Unterstützungsbedarf ein selbstbestimmtes Leben, fernab von stationären Einrichtungen, unabhängig von ihren Eltern und in der Mitte unserer Gesellschaft.

Ein Leben, wie es viele junge Leute führen. Sie erfüllt so den „ganz normalen Wohnsinn“.

Umso mehr erstaunte mich mit der Zeit, dass das Konzept so unbekannt ist. Die Mehrheit der Menschen mit einer sogenannten geistigen Behinderung wohnt in der eigenen Herkunftsfamilie oder in stationären Wohnformen.

Nur vereinzelt gibt es in Deutschland inklusive Wohngemeinschaften. Diese stoßen allerdings durchwegs auf positive Rückmeldungen und werden überregional als Erfolgsmodelle gehandelt.

Nach meinem Studium nahm ich mich deshalb dem Problem selbst an und rief im Juni 2016 „WOHN:SINN“, eine Onlineplattform für inklusive Wohngemeinschaften, ins Leben.

Was es bei WOHN:SINN zu entdecken gibt

Die Internetseite besteht aus drei Teilen. Im WOHN:BLOG wird in zahlreichen Geschichten erzählt, wie das Leben in einer inklusiven WG ist. Die WOHN:BÖRSE gibt darüber Auskunft, wo es inklusive Wohngemeinschaften gibt.

Und die WOHN:INFO hilft zu verstehen, wie inklusive WGs funktionieren und wie man selbst eine gründen kann. Im Folgenden möchte ich Ihnen einen Überblick davon geben.

WOHN:BLOG – Wie ist das Leben in einer inklusiven WG?

Wie in jeder WG ist auch das Leben in einer inklusiven Wohngemeinschaft ein Spagat zwischen Privatsphäre und Zusammenleben. Gemeinsame Ausflüge gehören genauso zum Alltag wie der Rückzug ins eigene Zimmer. In inklusiven WGs kommt dazu, dass meist noch Fachkräfte in der WG arbeiten.

Um diese vielen Interessen zu berücksichtigen, haben inklusive Wohngemeinschaften zumeist regelmäßige WG-Besprechungen (z.B. einmal im Monat), in denen sich alle WG-Mitglieder austauschen und über gemeinsame Anliegen entscheiden.

Schließlich ist die WG für die Bewohner*innen – ob behindert oder nicht – kein Selbstzweck, sondern neben Studium, Ausbildung oder Beruf ein Ort, an dem sie sich wohlfühlen sollen.

Zum Start der Onlineplattform packte ich meinen Rucksack und besuchte zahlreiche inklusive Wohnprojekte. Ich tauschte mich mit ihnen aus, aß mit ihnen zu Abend und landete nicht selten für eine Nacht auf dem WG-Sofa.

Gemeinsam schrieben wir dabei Geschichten aus dem inklusiven WG-Leben nieder, die Sie im WOHN:BLOG lesen können. So berichtet die inklusive WG aus Landsberg am Lech zum Beispiel, wie sie nach einiger Zeit merkten, dass sie sich mehr Regeln für ihr Zusammenleben wünschen, weil sie bis dahin in ihrem Alltag eher nebeneinander als miteinander gelebt hatten.

Neele und Adrian aus Bremen stellen sich in ihrem Artikel die Frage, wie ihr zukünftiges Leben als Pärchen in einer inklusiven WG wohl sein könnte. Schon mehr Erfahrung haben darin Rudi und Agathe, die im WOHN:BLOG von ihrer Hochzeit erzählen, die sie sich 30 Jahre lang erkämpfen mussten und dabei auf die Unterstützung ihrer WG zählen konnten.

WOHN:BÖRSE – Wo gibt es inklusive WGs?

Auch wenn es inklusive WGs im deutschsprachigen Raum nur vereinzelt gibt, so wird doch deutlich, dass sie überall möglich sind. Im Süden wie im Norden, in der Stadt genauso wie auf dem Land. Wie in der Karte erkennbar ist, gibt es in Westdeutschland weitaus mehr inklusive WGs als in Ostdeutschland. Insgesamt sind es schätzungsweise 30-40 inklusive Wohngemeinschaften.

Gerade wird dieser Teil der Plattform umgebaut, damit Sie bald bequem alle freien Plätze in inklusiven WGs auf einen Blick in unserer WOHN:BÖRSE finden.

WOHN:INFO – Wie funktionieren inklusive WGs?

Das eingangs beschriebene Modell von Gemeinsam Leben Lernen e.V. ist nur eines von vielen. Von 2er-WGs bis 10er-WGs finden sich unterschiedliche Größen. Auch der Unterstützungsbedarf der WG-Mitglieder mit Behinderung variiert und reicht bis hin zur 24-Stunden-Unterstützung. Ebenso unterschiedlich ist die Organisation um die WGs.

Manche Projekte sind durch einen Verein oder einen Träger der Behindertenhilfe organisiert, andere sind private Initiativen, die sich über das persönliche Budget finanzieren. Die Vielfalt ist letztlich das, was sich als roter Faden durch die inklusiven Wohngemeinschaften zieht. Und diese Vielfalt – so meine These – ist zugleich das größte Qualitätsmerkmal, da man nur so der Vielfalt eines jeden Menschen unabhängig von Behinderungen gerecht werden kann.

Um dem Unding Abhilfe zu schaffen, dass inklusive WGs an vielen Orten bereits erfolgreich und sie dennoch nicht weit verbreitet sind, habe ich einen Leitfaden zur Gründung inklusiver Wohngemeinschaften entwickelt.

In 5 Schritten gibt er Ihnen die Fragen an die Hand, die Sie sich stellen müssen, um ein erfolgreiches inklusives Wohnkonzept auch an Ihrem Ort umzusetzen oder auf Basis der reichhaltigen Erfahrungen ein neues Modell zu schaffen.

Dadurch soll er Sie dabei unterstützen, die für Sie passende Wohnform zu finden, ohne dass Sie dabei das Rad neu erfinden müssen.

Welche Unterstützung bietet WOHN:SINN bei der Gründung einer inklusiven WG?

Die Erfahrung hat gezeigt, dass der Leitfaden allein als Unterstützung bei der Gründung einer inklusiven Wohngemeinschaft häufig nicht ausreicht.

Deshalb biete ich Ihnen Vorträge, Workshops und Beratung, um Sie bei Ihrem Traum von einer inklusiven WG zu unterstützen. Während der Vortrag Ihnen einen Überblick über verschiedenen inklusiven Wohnmodelle und den Gründungsprozess bietet, können wir in Workshops und Beratung ganz individuell an Ihren Fragestellungen arbeiten.

In Zukunft möchte ich ein Förderprogramm entwickeln, in dem WOHN:SINN private Initiativen ein Jahr lang bei der Gründung ihrer inklusiven WG begleitet.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen Lust darauf machen, sich WOHN:SINN einmal genauer anzuschauen und möglicherweise ja selbst bald eine eigene inklusive Wohngemeinschaft zu gründen!

Schauen Sie vorbei oder nehmen Sie Kontakt auf:

WOHN:SINN – Plattform für inklusives Wohnen
Webseite: www.wohnsinn.org oder www.wohn-sinn.org in leichter Sprache
Facebook: www.facebook.com/ganznormalerwohnsinn
Newsletter: www.wohnsinn.org/newsletter-anmeldung
Email: tobias.polsfuss@wohnsinn.org

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